Freitag, 20. Januar 2012

Vespa Deluxe: Darf's ein bisschen mehr sein?

Vespa P 200 E: Restauration abgeschlossen. Fotos: Frank Schulte

Auferstanden aus Ruinen: so machen Restaurationsaufträge Spaß – eine Vespa als Geburtstagsgeschenk war der Wunsch. Schön sollte sie sein, schnell sollte sie sein, exklusiv sollte sie sein und schnell musste es gehen. Die Qualität des Endergebnisses war das Maß der Dinge und nicht, wie leider so oft, der Inhalt des Geldbeutels. Alles in allem also ein herrlicher Auftrag.
Gemäß dem Rezept“ aus hässlich wird schön“ der RTL II Show „Extrem schön“ galt es zuerst ein hässliches Entlein zu finden, dass im Laufe der Zeit in einem stolzen Schwan verwandelt werden sollte. 

Aller Anfang war hässlich.
Auserkoren wurde eine Vespa P 200 E mit Außenbackenverschluss aus dem Geburtsjahr 1981 des zu Beschenkenden. Ihre Vorbesitzer hatten die einstmals schlichte Schönheit mit allerhand einstmals chromblitzenden Tand, Lautsprechern im Gepäckfach und einer beinahe schmerzhaften Grün-metallic-Lackierung versehen. Alles muss ab hieß nun das Motto. Ein kompletter Strip mittels Korundstrahl-Entlackung brachte die nackte Wahrheit an den Tag. Die formvollendete Blechkarosse präsentierte sich bis auf wenige Rostnester als gesund – kein Problem für den Spengler unseres Vertrauens. Wiederherstellung der Blechsubstanz war dabei die Maßgabe – möglichst wenig Spachtelmasse sollte Verwendung finden. Pfusch unter dem ausgewählten Farbton wäre beinahe ein Sakrileg gewesen: denn die Originalfarbe des Lamborghini Reventon, ein mittlerer Grauton, der aufgrund bestimmter Metallicpartikel eine überraschende Tiefe aufweist, schmückt nun den Roller.
Die ehemals durchgerockte Sitzbank wurde aufgepolstert und mit einem griffigen, dicken, mittelbraunen Echtleder bezogen.
Breitreifen auf pulverbeschichteten Cosa-Felgen runden die Optik ab. Punkt Eins unser Vorgaben war somit erfüllt: schön und exklusiv ist die Vespa nun.


Leistung, Geschwindigkeit und deren Beherrschung auf der Straße waren nun die Aufgabe. Hier durfte der ambitionierte Vespa-Tuner und -Racer Henning Ruckstuhl seine Expertise unter Beweis stellen. Aus dem 200-er Motor mit seinen 10 PS kitzelte er am Ende runde 23 PS heraus. Eine beängstigende Leistung für ein nur gut 100 kg leichtes Fahrzeug auf zwei kleinen 1o-Zoll-Reifen.
Möglich macht das ein Polini 210 ccm Alu-Zylinder mit 7 Überströmkanälen auf einem gefrästen und polierten Motorgehäuse, eine Mazzuchelli Rennkurbelwelle, eine verstärkte Kupplung, ein 30-er Mikuni Membran-Vergaser, der eine Sonderanfertigung des Ansaugstutzen nötig machte und schließlich ein Sito Sportauspuff. 


Damit die Vespa vor lauter Kraft auch laufen kann, sorgen eine Piaggio Millenium Gabel, vollhydraulische Grimeca Scheibenbremsen und Bitubo Gasdruck-Stoßdämpfer mit verstellbarer Druckstufe und stufenloser Federvorspannung für den sicheren Halt auf der Straße.
Zum Abschluss der nur gut 3-monatigen Restauration ließ sich Hennig Ruckstuhl zu dem Satz hinreißen: „Das ist das Beste, was meine Werkstatt je verlassen hat – abgesehen natürlich von meiner Eigenen“ – aber das ist wieder ein anderes Thema.

Nun krönt die Vespa Deluxe den auch bislang nicht ganz unexklusiven Fuhrparkt  - Ferrari 458 Italia, MB C 63, MB G 55, Fiat 500 - des neuen Besitzers.

Sollte nun jemand den dringlichen Wunsch verspüren, ein ähnlich exklusives und individuelles Fahrzeug auf zwei oder vier Rädern sein Eigen zu nennen - lassen Sie uns nur machen. 
Kontakt über top-hatter@top-hatter.de.







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