Freitag, 17. Juli 2015

Bikerjeans: Zen oder die Kunst sich auf dem Motorrad richtig zu kleiden

Seitdem sich das Motorrad in den 1960-er und 70-er Jahren vom Arme-Leute-Fortbewegungsmittel zum Freizeit- und Lifestyle-Artikel gewandelt hat, haben auch seine Nutzer dazu tendiert, ihre Kleidung diesem Lifestyle anzupassen. Es ist läppisch, wenn sich heute die selbsternannten "echten Biker" in ihren seitlich geschürten Lederhosen und speckigen, Patch bedeckten Kutten, die "Streetfighter" in ihren bunten, knallengen Ledereinteilern mit Schürfwarzen an Knien und quasimodoesken Rückenhöckern oder die Tourer in ihren funktionalen wasser-, wind- staub- und allesdichten Cordura-SympaTex-Multireflektorenjacken über die neumodischen "Hipsterbiker" mokieren. Frischen Wind bringen diese gerade mit ihrer Rückwärtsgewandtheit in den Motorrad-Lebensstil.
Klassische Motorräder, gerne individuell auf- und umgebaut stehen wieder hoch im Kurs und werden auf einer wachsenden Zahl von Veranstaltungen und in einer ebenso schnell wachsenden Zahl von hippen Motorradzeitschriften präsentiert.
Nicht jeder muss es mögen, mit riesigen Zweirad-SUVs möglichst viele Kilometer in möglichst exotischen Landstrichen abzuspulen, nicht jeder muss es mögen möglichst schräg und schnell durch enge Landstraßenkurven zu heizen und nicht jeder muss es mögen mit auf gefühlt tonnenschweren US-Bikes mit anderen Anwälten, Zahnärzten und sonstigen saturierten Herren die Rocker-Romantik im Sonnenuntergang zu suchen. Man darf auch viel Zeit damit verbringen, sein Motorad zu einem individuellen Custom-Bike zu veredeln. Man darf auch viel Zeit damit verbringen, mit Gleichgesinnten seine "Racer" vor dem Cafe zu parken und Latta Macciato und Bionade schlürfen. Und man darf dies auch in seinem favorisierten Modestil ausleben. Und zu diesem Modestil gehören keine Lederkombis - es sei denn, sie sind mehr als 50 Jahre alt - und auch keine vernünftige Funktionsbekleidung. Ein Paar Workerboots, Jeans, Hoodie und klassische Leder- oder Jeansjacken sind die bevorzugten "Uniformteile" der Custom- und Cafe Racer-Szene.
Dem Nutzen des coolen Alltagsoutfits stand lange die fehlende Schutzfunktion von echter Motorradkleidung entgegen. Denn Jeans - und seien sie auch aus 14 oz. Raw Denim - bieten so gut wie keinen Schutz vor Schürf- und Prallverletzungen, die leider auch bei der kurzen Fahrt zum Lieblingscafe passieren können. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet nun glücklicherweise die wachsende Zahl von Biker-Jeans im klassische Look - erweitert aber um unterschiedlich umfängliche Schutzfunktionen. Zwei Komponenten sollen dabei den Träger beim Sturz schützen: hochfeste Aramidfasern, wie sie auch in schusssicheren Westen verwandt werden, sollen großflächige Abschürfungen verhindern und einschiebbare Kunststoffprotektoren können den harten Aufprall dämpfen. Top Hatter hat sich vier Biker-Hosen im coolen Style mit unterschiedlichen Schutzkonzepten angeschaut.

Original Rokker Raw

Die Rokker Raw kommt im beliebten klassischen blue Denim Look daher. Die smarten Firmengründer Kai Glatt und Michael Kuratli haben aus dem eigenen Bedürfnis nach stylischer, alltagstauglicher, aber auch sicherer Motorradkleidung ein inzwischen sehr erfolgreiches internationales Mode-Business aufgebaut. Die Außenhaut der Five-Pocket-Jeans mit Reisverschluss besteht aus 13 oz Raw Denim (100 % Baumwolle) mit Selvage Webkante. Rokker hat bewusst auf Nieten verzichtet um die Gefahr von Kratzern am edlen Blech zu vermeiden. Im Inneren ist die Hose stellenweise mit Dynatec des Schweizer Herstellers scholler verstärk, das für Abriebfestigkeit sorgt sowie wind- und wasserabweisend ist. Innentaschen an Hüfte und Knien können mit handelsüblichen Protektoren bestückt werden. Geliefert wird die Rokker Raw inkl. einem T-Shirt stilecht in einer Holzbox. Verarbeitung, Optik, Tragekomfort, Schutzkonzept, Markenimage und Verpackung sind auf höchstem Niveau - genau wie der Preis des eidgenössischen Qualitätsproduktes, das in Portugal gefertigt wird. Für 399 Euro hätte Rokker aber noch einen Satz Protektoren beilegen können. www.therokkercompany.com

Pike Brothers Moto Roamer 1948

Das Konzept der neuesten Pike Brothers Biker-Jeans ist es, seine 15 oz Selvage Denim Jeans täglich tragen zu können - sie bei Bedarf für den Ritt auf dem Bike mit einer Innenhose aus Kevlar zu "panzern". Durch den weiten, geraden Schnitt ist die Jeans auch bei längeren Touren bequem. Die 420 Gramm schwer Schutzunterhose, die mit Reisverschluss und Klettbändern am Denim fixiert wird, kann mit handelsüblichen Protektoren (leider nicht inklusive) in Taschen an Hüfte und Knien aufgerüstet werden. Geschlossen wird die Jeans ganz traditionell mit Knöpfen; ein D-Ring ist der sichere Ankerplatz für die obligatorische Geldbeutelkette. Pike Brothers, dieses augenscheinlich uramerikanische Label mit britischen Wurzeln und einem aktuellen Firmensitz in Oberbayern lässt seine Jeans traditionell auf Schützenwebstühlen in der Türkei fertigen.
Die Moto Roamer 1948 gibt es für 399 Euro u.a. auf www.pikebrothers.com

Rokker Chino Sand

Es muss nicht immer blue Denim sein: mit der Chino Sand hat Rokker eine optisch klassisch beige Slim-fit Chino im Programm, deren Besonderheiten nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Der Außenstoff der Hose besteht zu 100% aus schoeller Dynatec. Protektorentaschen an Hüfte und Knien erweitern die Schutzwirkung der Biker-Chino. Eine spezielle Beschichtungen des Gewebes reflektiert Wärme und UV-Strahlen und verstärkt die Wasser- und Schmutzabweisung. Innen sorgt ein Netzgewebefutter für luftigeren Tragekomfort.
Geliefert wird auch die Rokker Chino zusammen mit einem T-Shirt in einer Holzbox für 399 Euro. www.therokkercompany.com

uglyBROS USA Motorpool olive

Auch die "häßlichen Brüder" aus Seoul in Korea haben den Bedarf an stylischen Outfits für Cafe Racer, Scrambler, Tracker und Co. erkannt. Die Motorpool in verwaschenen Olivgrün ist eine Biker-Jeans mit Anleihen an die praktischen Cargo-Pants. Eine zweiprozentige Stretch-Zugabe sowie Stretchelemente oberhalb der Knie und am hinteren Bund sorgen dafür, dass die Slim-Fit-Pant aus 11 oz Baumwolle nirgends kneift und zwickt. Der Preis des hohen Tragekomforts ist ein Minus an Sicherheit, da uglyBros auf Innenhosen oder Dopplungen aus Aramidfasern verzichtet hat. Dafür sind vier Protektoren inklusive, die schnell und bequem in Protektorentaschen an Knien (von außen einschiebbar) und Hüfte verstaut werden können. Vier Cargo-Taschen an Oberschenkeln und Po sorgen für den Abenteurer-Look und bieten zusätzlichen Stauraum für Handy, Papiere etc.
Die uglyBROS Motorpool Pants (366 Euro), gefertigt in Korea, gibt es in Deutschland bei Caroline und Daniel Dimpker, die mit ihrem Shop in Hamburg immer den neusten Trends und den coolsten Brands in Sachen Helme, Bekleidung und Accessoires auf der Spur sind: www.24helmets.de

Kommentare:

  1. Hipster sein und dazu stehen! Ich steh ja auch dazu, mit meinen Zahnwaltfreunden die Rocker-Romantik auszuleben.

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  2. That's the Spirit: Leben und leben lassen ;-)

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